Wien | 09.05.2019 | Klimapolitik 2019: Schlecht gemachte Menschheitsrettung oder imperialistische Energiepolitik?

Vortrag & Diskussion mit Margaret Wirth

Redakteurin der politischen Vierteljahreszeitschrift GegenStandpunkt

9. Mai, 2019, 19:00 Uhr
HS 2, Neues Institutsgebäude (NIG)
Universität Wien, Universitätsstraße 7, 1010 Wien

Folgediskussion zu diesem Thema: 15.5.2019, Amerlinghaus, 19:00 Uhr, Saal im Hof.

Schüler und Studenten streiken weltweit jeden Freitag gegen den Klimawandel. Sie werfen der Politik Inkonsequenz, Untätigkeit, Heuchelei bei der Lösung des Menschheitsproblems Nr. 1 vor. Und „den Erwachsenen“ überhaupt Ignoranz gegenüber den düsteren Aussichten für die „nachfolgenden Generationen“.

Nur: Stimmen denn diese Einwände?

Wer ist eigentlich dieses eigenartig kollektive Subjekt „Menschheit“, von dem man immer nur hört, wenn es „bedroht“ sein soll?

Dass Inselgruppen absaufen, weil Polkappen abschmelzen: Macht das aus den Bewohnern der Fidschiinseln und Reedern, die sich neue Seewege erschließen, wirklich gleichermaßen Betroffene einer einzigen großen Gemeinschaft? Und wenn es schon um die Bedrohung der Menschheitszukunft gehen soll: Wer bedroht sie? Womit eigentlich und warum? Auch wieder „der Mensch“, „wir alle“ und jeder und jede Einzelne“? Oder doch mehr „die Politik“ oder die Erwachsenen“? Oder ist das alles ein und dasselbe? Ist es nicht bemerkenswert, dass die Höchstwerte Menschheit und Klima, in deren Namen ihr gegen die Politik antretet, deren eigene Werte sind? Und gibt es nicht zu denken, dass die Politiker eurem Ruf nach Schutz von Menschheit und Klima regelmäßig Recht geben – um sich dann im Namen ihrer Verantwortung für Menschheit und Klima genauso regelmäßig jede wirkliche Einmischung in ihre Politik zu verbitten?

Was die politisch Zuständigen dann im Namen der allseits geteilten Sorge um das Weltklima unter dem Titel Klimapolitik betreiben, das ist ihre nationale Energiepolitik, die gerade für die wichtigsten und mächtigsten unter ihnen immer eine Frage weltweiter kapitalistischer Geschäftsmöglichkeiten und zugleich strategischer Sicherheit und Überlegenheit gegenüber anderen Nationen ist. Sie konkurrieren um den Zugriff auf alte und neue Energiequellen, mischen sich dafür in die Energiepolitik ihrer Konkurrenten ein und versuchen umgekehrt, jede Einmischung anderer Mächte in die eigene Energiebewirtschaftung abzuwehren. Wenn dafür „Weltklima“ nicht die absolut passende Überschrift ist! Von wegen also „Untätigkeit“!

Darüber wollen wir diskutieren.

Eine Veranstaltung von Gegenpositionen Wien.

Gegenpositionen auf der Rosa Luxemburg Konferenz 2019 (AT)

Am ersten Märzwochenende könnt ihr Gegenpositionen auf der Rosa Luxemburg Konferenz – AT kennenlernen.

Im Rahmen der Konferenz veranstalten wir am 2. März zwei Diskussionen:

Warum die rechten Parolen verkehrt sind – und viele linke Einwände auch

Samstag, 2. März, 13:00 bis 14:30 Uhr, Kursraum 8

https://www.rosaluxemburgkonferenz.at/2019/02/03/warum-die-rechten-parolen-verkehrt-sind-und-viele-linke-einwaende-auch/

https://www.facebook.com/events/498176877375185/

Ein 12-Stunden-Tag für Österreich

Samstag, 2. März, 15:00 bis 16:30 Uhr, Kursraum 8

 

https://www.rosaluxemburgkonferenz.at/2019/02/02/ein-12-stunden-tag-fuer-oesterreich
https://www.facebook.com/events/614833318947968/

 

Wien | 24.05.18 | Die EU in Zeiten von „America first!“: Das Konkurrenzprojekt „Europa“ in der Krise

Die EU in Zeiten von „America first!“:

Das Konkurrenzprojekt „Europa“ in der Krise

Referentin: Prof. Margaret Wirth, Uni Bremen
Redakteurin des „GEGENSTANDPUNKT“
Donnerstag, 24.5.2018, 19 Uhr
HS II, NIG, Universitätsstr. 7, 1010 Wien

„Europa kann sich auf Amerika unter Trump nicht mehr wie früher verlassen!“
„Europa muss sein Schicksal endlich mehr in die eigenen Hände nehmen!“
„Europa muss für eine gemeinsame Weltordnung und eine offene Weltwirtschaft einstehen!“
„Europa muss seinen Zusammenhalt und seine Friedensordnung gegen alle Spaltungsversuche von außen bewahren“
„Nur gemeinsam ist Europa stark!“
„Europa muss gegen die weltweite Tendenz zu nationalem Egoismus und Abschottung zusammenstehen und dafür endlich den Fortschritt zu einer wirklichen Staatenunion machen!“

Und so weiter und so fort.

Das sind die gängigen Sprachregelungen der pro-europäischen Vertreter der herrschenden Politik Westeuropas. Sie haben den Vorteil größter Eindeutigkeit – bezüglich der Parteinahme für „Europa“ nämlich, von der sie ganz selbstverständlich ausgehen.

Ein paar Fragen werfen sie aber auch auf:

● Wenn auf Amerika „kein Verlass mehr“ ist, weil Trump droht, Regeln zu kündigen, die seiner Meinung nach Europa einseitig nutzen und Amerika schaden: Liegt Trump mit seiner Bilanz dann eigentlich gleich völlig daneben, und gehen dann die Konsequenzen in Ordnung, die Europas Führungsmächte daraus ziehen?

● Worin besteht eigentlich das „Schicksal Europas“, wenn sein bisheriger Gang durch eine gegen die bestehende Weltwirtschaft und ihre Geschäftsordnung gerichtete nationale Standortinitiative
Trumps so nachhaltig gefährdet wird?

● Was meint eigentlich der Vorwurf „nationaler Egoismus“ in Richtung USA aus dem Munde derer, die ihre Völker tagein tagaus darauf einschwören, dass die eigene Nation ihren wohlverdienten Platz in der Weltwirtschaft behalten und im Innern wie Äußern für die entsprechenden Bedingungen sorgen muss?

● Kann man über die so segensreichen „verbindlichen Regeln der Weltwirtschaft“ auch noch erfahren, was für eine Sorte Weltwirtschaft sie eigentlich wie regeln? Und was ihre allgemeine Verbindlichkeit mit dem überhaupt nicht allgemeinen Nutzen zu tun hat, der sich bei manchen Staaten, wie z.B. Österreich oder Deutschland, einstellt, bei vielen anderen aber so hartnäckig ausbleibt?

● Wie kann es eigentlich sein, dass Frieden und Zusammenhalt in der europäischen Staatengemeinschaft durch Spaltungstendenzen gefährdet sind, die immer bloß von außen kommen sollen?

● Warum also „muss Europa endlich“, mit Blick auf Trumps USA, aber auch auf Putins Russland und China, entscheidende  Fortschritte“ machen, und welche eigentlich – gegen alle Einsprüche, die es in Europa ja ganz unübersehbar reichlich gibt?

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Unsere zentrale These dazu lautet: Wenn die Zuständigen der europäischen Führungsmächte angesichts von Trumps ‚America first‘-Politik eine Besinnung auf „gemeinsame Interessen und die Verantwortung Europas für die Welt“, also die neue Dringlichkeit des europäischen Zusammenhalts beschwören – dann nehmen sie mit ihrem Projekt ‚vereintes Europa‘ Maß an der Vormacht der USA und sehen sich herausgefordert, den von ihnen geführten Staatenblock als Waffe für die Konkurrenz gegen die amerikanische Weltmacht voranzubringen.