Sparpaket: Pflegegeld

Eines ist ziemlich sicher: dass beim Pflegegeld zugeschlagen wird. Das ist nun allzu überraschend nicht, denn Pflegebedürftige gehören bekanntlich zum aussortierten Menschenmaterial des kapitalistischen Standorts – man kann sie nicht mehr brauchen, da sie  nicht mehr fit genug sind, den Reichtum Anderer zu mehren (es sollte jedem klar sein, dass es beim Pflegegeld immer um Arme geht, denn Vermögende sind auf diese Almosen nun wirklich nicht angewiesen – bei den Ärmsten wird also gespart). Ein Leben lang hat man sich da abgemüht, als Lohnabhängiger  stets den Gewinn des Unternehmens erarbeitet, davon nur ein Krümerl erhalten – jedes Unternehmen weiß am Lohn zu sparen und will das auch, weil der Lohn ja ein Abzug vom Gewinn ist, den der Löhner erarbeitet; der bürgerliche Staat hat es einem damit gedankt, dass er die Lohnsteuer neben der Mehrwertsteuer zu seiner Haupteinnahmequelle machte. Aber was will man sich vom Staat schon erwarten? – Ist es doch dieser, der durch die Verankerung und Durchsetzung des Rechts auf Privateigentum erst die ganze Scheisse in Gang setzt, um sich über das kapitalistische Wachstum zu finanzieren.

Mit der zu erwartenden Kürzung des Pflegegeldes macht der bürgerliche Staat auf jeden Fall wieder einmal klar, wie die Lohnabhängigen hier so vorkommen: sie werden auf die Müllhalde geschmissen, sobald sie nicht mehr ausbeutbar sind. Am liebsten – davon kann man ausgehen – wäre es dem Staat, die Lohnarbeiter würden schon am Tag ihrer Pensionierung ins Grab kippen statt noch ein paar Jahre an ihrer kargen Pension rumzuknabbern (Durchschnittspension: 930€ brutto; übrigens: je weniger Geld, umso kürzer die Lebenserwartung – wer hätte das gedacht?). Noch lieber wäre es dem Staat, sie würden  schon als perfektes Humankapital mit Hochschulabschluss (aber wirtschaftsnah!), herausragenden Fremdsprachenkenntnissen, mindestens 15 Praktika bei internationalen Unternehmen und der Bereitschaft zu Lohnverzicht aus dem Geburtskanal flutschen, aber das klappt leider nicht (dieses biolog. Manko der Menschen versucht man ab und an wenigsten teilweise durch den Import von Fachkräften auszugleichen). Aber man sollte sich nichts vormachen: wenn der Staat den Jungen eine Schule gewährt oder gar ein Studium, dann nicht, weil er es gut mit ihnen meint, sondern weil er eben das Menschenmaterial „passend“ machen will für sein Betriebssystem. Um sie dann auszusaugen mithilfe seines kapitalistischen Betriebssystems. Und dann wegzuwerfen.

Auf höchst affirmative Art und Weise bringt das der herzallerliebste Mitherausgeber des großformatigen Käseblattes für Klassenkampf von oben namens FAZ, Frank Schirrmacher, auf den Punkt:

„Jemand, der zwangig Jahre länger lebt als von den Behörden vorhergesagt, ist nicht mehr finanzierbar. Das führt schließlich zur Frage der Euthanasie.“ (Schirrmacher 2004: 129f)

Also: bitte schnell und kostengünstig abtreten beizeiten. Davor ist aber lifelong learning angesagt – „Humankapitalaktualisierungen“! – und untertänigste Untertänigkeit  – also ja keine Lohnforderungen stellen oder sonstwie frech sein.

Arme in der Armutsfalle

Erinnert sich noch jemand an die Mikrokredite? Diese tolle Idee, dass man mit der Armut schon ein Geschäft machen müsse, um sie zu lindern, was ihr auch prompt den Friedensnobelpreis (endlich ein paar Hungerleider befriedet?) eingebracht hat? Die taz jedenfalls macht es und bringt gleich zwei Artikel zum Thema (externe Links, alle Zitate aus ebd.) – denen man einiges entnehmen kann.

Na wenigstens etwas! 😉

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Rausschmeißen gegen Arbeitslosigkeit

Die Kapitalisten präsentieren es gerne stolz als ihren Beitrag zu einem angeblichen Gemeinschaftswerk, dass sie Lohnarbeiter einstellen – deswegen gefällt ihnen ja auch die Bezeichnung Arbeitgeber für sie so sehr. In dieses Horn stößt jetzt auch wieder (externer Link) der Chef der DIHK, Hans Heinrich Driftmann:

Wenn wir jetzt den Arbeitsmarkt entfesseln, können wir die Arbeitslosigkeit nicht nur kurzzeitig auf deutlich unter drei Millionen drücken.

„Entfesseln“ zeigt dabei an, wo es lang geht; vom angesprochenen nationalen Wir wird die Umsetzung bzw. die Akzeptanz von „fünf unbequemen [!] Forderungen“ erwartet. Und zwar, damit die Kapitalisten ihrer ehrenvollen Aufgabe nachkommen können, Arbeit zu geben. Die Hindernisse, welche Hans Heinrich Driftmann dabei ausmacht, sind allerdings bezeichnend. Zum einen soll es ein unerträgliches Hindernis für das Arbeit geben sein, dass diejenigen, denen da gegeben wird, wegen ein paar staatlichen Einschränkungen bei ihrer Benutzung, damit sie sich als Lohnarbeiter und als Staatsbürger reproduzieren können, nicht uneingeschränkt und rund um die Uhr für ihre kapitalistische Benutzung bereit stehen. Soviel dazu, wer hier wem Arbeit gibt. Und soviel auch dazu, was der Zweck dabei ist, wenn Kapitalisten Lohnarbeiter anstellen: nämlich, dass diese für sie durch ihre Arbeit deren Geld vermehren.

(C) by B.U.G.P.A.P.I.E.R.

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IV-„Logik“

Bleiben die meisten Löhne gleich, bedeutet das in Wirklichkeit eine massive Lohnerhöhung und somit einen dramatischen Wettbewerbsnachteil gegenüber Niedriglohnländern.

Christoph Hinteregger, Industriesprecher

Immer die gleiche Leier (exakt der gleiche Satz kommt immer von IV-Beyer), irgendwann glaubt’s dann mal jemand, stimmt’s? Man kann es ja mal versuchen.

PS: IV – das sind die Unideologischen. MUHAHA

PPS: Zum Thema WETTBEWERBSFÄHIGKEIT siehe PSEUDOARGUMENT Nr. 1: „Wir“ müssen, um „unseren“ Wohlstand halten zu können, wettbewerbsfähiger werden.

Das Öl im Golf von Mexiko

Über die Berechnungen des Geschäfts, die BP veranlasst haben, vom Meeresgrund aus nach Öl zu bohren, steht alles in der Zeitung: Die derzeitige Höhe des Ölpreises macht den investiven Aufwand rentierlich. Für den US- Staat sind nationale Ölfelder ohne fremde Transitländer ein Mittel zur strategischen Unabhängigkeit von diesem kostengünstigsten Energieträger. Die zuständigen Aufsichtsbehörden haben das Geschäft von „Big Oil“ genehmigt, obwohl eine Verseuchung des Meeres bei der Ölförderung notwendigerweise dazugehört. So lange diese in den „normalen“ Grenzen bleibt, läuft das Geschäft wie geschmiert.

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