„Phantastisch! Eine Katastrophe!“

„Am Ende ihrer hundertseitigen Schrift fordert Laurie Penny ihre Leserinnen, ach was, DIE Frauen dann auf, sich zu verweigern: ‚Ohne die Arbeit, die Frauen umsonst leisten, würde jede westliche Ökonomie innerhalb weniger Tage kollabieren.‘
Phantastisch! Eine Katastrophe!“ (Antonia Baum, in der FAS vom 23.12.12.)

Das wäre in der Tat eine nette Katastrophe und auch mal etwas anderes als die Forderung, die Leistungen der Frauen sollten doch entlohnt werden. Es sind aber nicht nur Frauen, die im Haushalt unentgeltlich arbeiten, die Arbeitskraft beiden Geschlechts, die für Lohn arbeitet, auch deren Arbeit wird unentgeltlich angeeignet. Der Lohn steht nur für die Reproduktion, für den Erhalt der Arbeitskraft, weiter für fremden Nutzen zu arbeiten. Der Lohn steht also auch nicht für den Nutzen des Arbeiters, er hat herzuhalten für die Erhaltung seiner Klasse, seine Nachkommen, muss herhalten für die unentgeltlich verrichtete Reproduktionsarbeit. Mit dieser Lohnzahlung verschafft sich der, der für Lohn arbeiten lässt – der, der Arbeit „gibt“ und sich die Resultate der Arbeit nimmt, oder altmodisch: Kapitalist -, sich das Kommando über unbezahlte Arbeit in Form von Mehrarbeit, dessen Resultate er sich aneignet. Und der Feminismus, begleitend muss man eher sagen, hat erkämpft, dass jetzt auch Frauen ganz legal unter kapitalistischem Kommando arbeiten dürfen – sogar zusätzlich zu ihrer Reproduktionsarbeit, wo es Friktion gibt, tut der Staat das Seine.

Die Reproduktionsarbeit, aber auch die Lohnarbeit aufzukündigen, um jede westliche Ökonomie zu zertrümmern, das wäre in der Tat ein nettes Ziel, eine nette Katastrophe im Gegensatz zu der alltäglich andauernden Katastrophe. Das aber wäre dann nicht mehr nur eine Frauen-, sondern vorallem eine Klassenfrage. Darf man das aber als Ziel des Feminismus behaupten, Klassenkampf von unten in Gang setzen zu wollen? Denn der heutige, im Artikel beschimpfte „Wirtschaftsfeminismus“ hat sich längst von der sozialen Frage gelöst.

Ernüchternd dagegen ist aber, dass der Artikel diesen Feminismus kritisiert, diese Misere nicht nur auf eine persönliche Abhängigkeit vom Mann reduziert, sondern den sozialen Zusammenhang benennt, der für die Frauen eine Abhängigkeit ganz anderen Kalibers freigesetzt hat. Warum der Feminismus noch lange nicht erledigt ist, lautet der Untertitel des Artikels. Man mag einwenden, dass dem Kapitalismus ein männliches Profil zugeschrieben wird, von dort aus man den Feminismus als fortführenden Kampf gegen diesen Wirtschafts-Mann wieder aufblühen lässt, so dass der Eindruck entsteht, es sei nicht die Wirtschaftsweise selbst, die einem zu schaffen macht, sondern der Monster-Mann dahinter. Aber nehmen wir das mal wohlwollend, so wird ein der Realität sehr angemessenes Szenario ausgemalt, welches einen auf das neue Jahr „freuen“ lässt:

„Ich wünschte, mein Mann wäre so reich, dass ich nicht arbeiten müsste und zu Hause bleiben könnte, wo ich, in ganz langsamer Arbeit, Bücher schreiben würde, von denen ich nicht leben kann. Denn wie viel plausibler ist es, sich in die Abhängigkeit desjenigen Mannes zu begeben, den man liebt und dem man bis auf weiteres vertraut, als in die Abhängigkeit eines viel größeren Mannes, eines unendlich hungrigen Monster-Mann-Betriebes zu begeben, der subjektlos und also nicht zur Verantwortung zu ziehen ist und der bereit ist, mich, das heißt meine Arbeitskraft, bis zum letzten bisschen auszusaugen und zu verkaufen und in den zweiwöchigen Erholungsurlaub zu schicken, um mich dann: weiter auszusaugen.“

Gastbeitrag

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