Das bedingungslose Grundeinkommen (Wien)

GegenStandpunkt & Diskussion

Noch ein Rezept gegen die Übel des Kapitalismus: Das bedingungslose Grundeinkommen

Vortrag & Diskussion am Mittwoch 26. 9. 2012 um 19:00
Amerlinghaus, Galerie, Stiftgasse 8, 1070 Wien

Die kapitalistische Wirtschaft produziert mit dem Reichtum der einen die Armut der anderen – und zwar immer mehr von beidem. Der zur Gewinn-Steigerung eingesetzte Fortschritt in Werkstätten und Büros erhöht die Leistung der Beschäftigten für die Firma und erspart dieser die Bezahlung von Lohn für eingesparte Arbeit; derselbe
Fortschritt macht daher Arbeitskräfte überflüssig und bringt sie um ihre Erwerbsquelle. Das Millionen-Heer der Einkommenslosen ist gezwungen, sich den Unternehmern um jeden Preis anzubieten; was diesen wieder erlaubt, ganz allgemein die Löhne zu drücken, so dass mit dem Reichtum der Kapitaleigner nicht nur die Zahl der armen Arbeitslosen steigt, sondern auch die der „working poor“.

Dagegen ließ sich nach allgemeinem Dafürhalten auch nichts machen, so geht nun einmal wirtschaftliche „Vernunft“ in der Marktwirtschaft – bis ein paar kluge Leute eine Idee hatten: Die armen Leute brauchen ein Grundeinkommen, dann sind sie nicht mehr so arm. Verblüffend! Warum ist man da nicht früher darauf gekommen? „Unsere Wirtschaft“ holt aus dem Produktionsfaktor Arbeit alles heraus; knappst am Lohn
herum, streicht Arbeitspausen, erhöht das Tempo – alles damit der Arbeiter der Firma noch mehr Gewinn einbringt und einen noch kleineren Teil seiner Wertschöpfung als Lohn nach Hause trägt. Dabei soll es nach Auffassung der neuen Idee vom Grundeinkommen im Prinzip auch bleiben. Aber: Wenn die Entlassenen und die Billigarbeiter wegen dieses ökonomischen Prinzips arm und mittellos werden, schenken „wir“ (als Gesellschaft?) ihnen einfach das Geld, das ihnen die Wirtschaft und der Sozialstaat verweigern. Erst soll mit allen Mitteln kapitalistisch Geld gemacht werden, und dann soll es ganz und gar unkapitalistisch ausgegeben, nämlich verschenkt werden.

Zum Weinen sind die Kontroversen, die diese schöne Idee auslöst. Zwei Einwände werden laut: Wer soll das bezahlen? Und wer wird die Dreckarbeit machen, wenn die Menschen auch ohne Arbeit (bescheiden) leben können? Die Zweifler stellen sich auf den Standpunkt des kapitalistischen Wirtschaftens und halten den Verbesserungsvorschlag für unrealistisch: Erstens ist im Kapitalismus nirgendwo Geld übrig, das zum Verschenken zur Verfügung steht. Zweitens darf der Zwangscharakter der Lohnarbeit nicht abgeschwächt werden, denn ohne echte Not – das stimmt übrigens – würde sich keiner dafür hergeben. Mit diesen Wahrheiten kritisieren diese Leute freilich nicht den Kapitalismus, sondern den Versuch, ihn durch ein Grundeinkommen zu humanisieren.

Die Anhänger der guten Idee weisen diese Sorte Realismus nicht zurück, sondern rechtfertigen sich: Sie beteuern, das Grundeinkommen sei nicht nur verträglich mit der Profitmacherei, sondern würde sie womöglich befruchten, weil sich endlich niemand mehr um seinen Lebensunterhalt kümmern muss – und erst dadurch so richtig zum Arbeiten befreit wird; außerdem müsse niemand fürchten, dass der „Anreiz“ zur Arbeit verloren geht, das Grundeinkommen müsste in dem Fall halt niedrig genug angesetzt werden.

Zeitgenossen, die diese versponnene Kombination aus sozialpolitischem Idealismus und kapitalistischem Realismus attraktiv finden, könnten sich zum Widerspruch herausgefordert fühlen. Zeit und Ort dafür:
Mittwoch 26.9.2012 um 19:00 im Amerlinghaus, Stiftgasse 8, 1070 Wien

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Ein Gedanke zu “Das bedingungslose Grundeinkommen (Wien)

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