Und täglich grüßt …

Nicht erst seit gestern kriegt die Bevölkerung zu hören, dass das Geld nicht mehr reiche für sichere Pensionen. Zum Einen wird dabei die Forderung aufgestellt, dass die, die über zu wenig Eigentum verfügen, um andere für sich arbeiten zu lassen, bis ins hohe Alter hinein Unternehmen mit ihrer Schufterei Gewinne zu bescheren hätten. Zum Anderen wird in aller Regelmäßigkeit die sogenannte private Pensionsvorsorge angepriesen – das ist die Art der Vorsorge, die sich sehr viele ÖsterreicherInnen nicht leisten können, da das Geld sowieso an allen nur erdenklichen Ecken und Enden fehlt. Auf die Hintergründe der Immer-Wackeliger-Werdens der Pensionsversicherung wurde hier schon eingegangen: Die Pensionsversicherung wird zunehmend unsicher, weil die Lohnsumme von Jahr zu Jahr schrumpft – und damit auch das Geld, von dem ein Teil in die Pensionskassen fließt. Auch zu benennen ist freilich die Tatsache, dass mehr und mehr Unternehmen Lohnabhängige nurmehr über Werkverträge und Co. beschäftigen und sich damit der sog. Lohnnebenkosten entledigen.

Und weil, wie schon festgestellt, das ein Thema ist, mit dem man beinahe durchgehend belästigt ist, grüßten dieser Tage wieder einmal die staatstragenden Murmeltiere (PolitikerInnen und echoende JournalistInnen):

Für die „absolut größte tickende Zeitbombe“ im Staat hält Günter Stummvoll die steigenden Kosten für die Pensionen.

Womit ein passender Einstieg geschafft worden wäre, der alle – leider – verantwortungsvollen BürgerInnen aufschreckt. Jetzt kann die Schallplatte folgen:

Laut unseren Simulationen müssen wir das Antrittsalter bis 2050 um fünf Jahre anheben.

Ha, da lacht der qua Beruf asoziale Sozialminister!

Wo sollen sie denn herkommen, diese Jobs? Und noch viel wichtiger: Wie gestalten sich diese Jobs – auch der Bezahlung nach? Und vor allem aber: Wieso muss man, obwohl man eigentlich umgeben ist von lauter Reichtum, immer noch wie wahnsinnig Hackln, Hackln, Hackln – und das auch noch ins hohe Alter hinein?
– Schweigen.

Schweigen, denn das sind die Fragen, die nie gestellt werden, und wenn doch einmal, sogleich unter dem Verweis aufs Realistisch-Sein-Müssen abgewiesen werden. Das sind Themen, die man in der Mainstreampresse nicht antrifft, denn die, die sie stellen, gelten als „verrückt“. Wohingegen jene, die mitten in einer Welt, in der man schon längst mit einer 20-Wochenstunde alle bestens versorgen könnte, immer wieder nach mehr und noch mehr Arbeit heulen, als vollkommen „normal“ gelten.

Als „normal“ gilt man, wenn man nach Arbeit ruft, in dieser Gesellschaft, weil die überwiegende Mehrheit der Menschen davon abhängig ist, dass jemand sie für sich arbeiten lässt und ihnen dafür einen Lohn zahlt. Man nennt diese Menschen Lohnabhängige, und sie haben nichts außer ihre Arbeitskraft. Eine kleine Minderheit, die Veit Sorgers dieser Gesellschaft, ruft nach Arbeit, weil ihr Reichtum darauf aufbaut, dass andere für sie arbeiten – selbstverständlich zu einem möglichst niedrigen Lohn. Man nennt Menschen, deren Reichtum darauf aufbaut, dass andere für sie Arbeit leisten, heute manches Mal „Leistungsträger“. Manche nehmen auch noch heute das passendere Wort Kapitalisten in den Mund.

Man steht als lohnabhängiger Mensch ziemlich blöd da, wenn man keinen Kapitalisten davon überzeugen kann, dass man auch ja brav seinen Reichtum mehre. Dann ist man lohnarbeitslos, verarmt damit restlos – und wird auch noch „Sozialschmarotzer“ geschimpft. Aber auch wenn man einen Job ergattert, ist man recht schlecht dran: Es ist wirklich nicht gemütlich, für fremden Reichtum zu schuften und selber nur einen immer beschränkten Lohn zu kriegen. Gar nicht zu denken daran, dass man immer damit rechnen muss, dass man gekündigt wird, weil das Unternehmen wieder mal Lohnkosten einsparen will. Und dann muss man heute noch von diesem miesen Lohn Geld zur Seite legen:

Deshalb sollten Menschen möglichst früh beginnen, ein paar Cent am Tag für ihre Altersvorsorge beiseite zu legen […]

– zumindest ein paar Cent sollten es schon sein, meint der Standard-Frey, damit man in der Pension dann – naja, ein paar Cent erhält. Vielleicht. Weil vielleicht kracht zuvor die private Pensionsversicherungs-AG … Das passiert in den USA zB regelmäßig, und das Geld ist dann für immer weg.
Aber was soll’s … Wir hackeln uns über diverse Pensionsantrittsaltererhöhungen eh ins Grab, dann ist auch das elende Thema Pension für Lohnabhängige gelöst. Denn Reiche, die brauchen keine Pensionsversicherung. Die haben ja sowieso Geld. Weil wir für sie arbeiten.

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