„Wohlstand für alle“: Armut in Österreich

Österreich ist ein reiches Land; und doch so voller Armut. Das beweist – wieder einmal – die aktuelle Debatte um die Besteuerung von besser verdienenden unselbstständig Erwerbstätigen: von diesen gibt es nur eine Handvoll. Was es aber gibt, sind Millionen an Working poor.

Bild von derstandard.at

Knapp 2,4 Millionen Lohnabhängige verdienen nicht einmal 11.000 € / Jahr BRUTTO. Weitere 2,55 Millionen verdienen nur zwischen 11.000 und 25.000 € / Jahr BRUTTO, das sind maximal 2084 € / Monat. Jeder weiß, dass da das Geld schon knapp wird, wenn man z.B. ein Kind hat. Da gehen locker 900 € weg für die Wohnung, dann braucht’s Essen, Kleidung, Auto für den Beruf oder Öffis (auch nicht grad billig) – und spätestens beim Urlaub fängt dann schon das Bescheiden-Sein an, das erzwungene. Und da geht das Kind noch nicht zur Schule (Kosten für Schulmaterialien), vom Studium gar nicht zu reden!

So „reich“ ist Österreich also. So reich, dass sich die Mehrheit der Bevölkerung andauernd beschränken muss: hier verzichten, da verzichten; ist ja alles nur für Geld zu haben! Und ob man was dringend braucht, interessiert in der schönen Marktwirtschaft niemanden – solange man kein Geld dafür hinlegen kann. Da hungert man vor dem vollen Supermarkt vor sich hin, wenn man kein Geld hat. Hat man aber Geld – und ja, es gibt Leute, die haben das zur Genüge -, dann wird einem jedes noch so spinöse Bedürfnis sofort befriedigt.

PS: In der obigen Grafik sind auch PensionistInnen eingerechnet, denn auch diese zahlen bekanntlich Lohnsteuer. Auch als PensionstIn wird man in der Regel nicht reich, vor allem dann nicht, wenn man schon zuvor zu den Working poor gehörte.

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3 Gedanken zu “„Wohlstand für alle“: Armut in Österreich

    • Einen wesentlich größeren Teil der fälschlicherweise als armutsgefährdet bezeichneten Personengruppe stellen allerdings die Studenten dar.

      Erstens. im Beitrag ^^ hier geht es nicht um Studierende, sondern um BezieherInnen von Löhnen, wozu auch die Pensionen zählen; zweitens: dass Erbschaften nicht berücksichtigt werden, verdankt sich wohl zuallererst der IV und Co, die sehr bemüht darum sind zu verhindern, dass Daten in dieser Richtung erhoben werden. Siehe hier:

      „Der Verdacht, dass es durchaus im Interesse bestimmter gesellschaftlicher Gruppen liegt, dass die Vermögensverteilung dermaßen schlecht erfasst ist – wodurch Verteilungsdiskussionen nachhaltig erschwert werden –, ist somit nicht von der Hand zu weisen. Insofern kann die dürre empirische Datenlage durchaus als Abbild bestehender gesellschaftlicher Machtverhältnisse gesehen werden (vgl. Hartmann, 2007; Reich, 2008).“

      WISO 31. Jg. (2008), Nr. 4

      Wieder aus deinem Beitrag:

      In diesem Licht scheint die Angabe von 1.000.000 armutsgefährdeten Menschen in Österreich absolut zynisch und beleidigend für jene, die tatsächlich vom Schicksal getroffen und von einem menschenwürdigen Leben in unserem Land ausgeschlossen sind.

      Nein, wieso? Wieso sollte es für den einen Armen eine Beleidigung sein, wenn es auch noch einen anderen gibt?

      Zudem „Schicksal“: das ist kein „Schicksal“, wie zB eine Naturkatastrophe, sondern ein staatlich hergestellter Zustand, siehe dazu diesen Beitrag: https://gdhv.wordpress.com/2010/07/10/lohnabhangigkeit-lohnkosten/

      Und die Fußnote beim Pseudoargument Nr. 1:

      (1) Man kann das sich das extremst vereinfacht so vorstellen, Beispiel: einer Person gehören alle Ländereien in einem Dorf. Alle anderen haben nichts, brauchen aber etwas Land, um dort für sich was anbauen zu können fürs Überleben. Da alles Land der einen Person gehört, müssen sie zu dieser gehen und betteln: „Bitte lass’ mich ein bisschen von deinem Land nutzen“. Der Landeigentümer sagt dann vielleicht: „OK, du darfst etwas Land nutzen, aber nur unter Bedingung, dass du von 8:00-16:00 Tag für mich schuftest – den Rest des Tages darfst du für dich nutzen.“ Fast den ganzen Tag lang muss man dann das Eigentum des Landeigentümers mehren. Das bisschen, was man für sich selber rauskriegt, reicht immer nur bis zum nächsten Dienstantritt. Vielleicht sagt der Landeigentümer aber auch: Nö, derzeit kein Interesse. Dann verhungert man. Und vielleicht sagt der Landeigentümer, nachdem man ein paar Jahre bei ihm schuften ‘durfte’, plötzlich: kein Interesse mehr. Auch dann ist Schluss mit ‘lustig’. Klar ist auf jeden Fall: es handelt sich um eine Erpressung: „Entweder du setzt dich ein für die Vermehrung meines Eigentums oder du verreckst. Sei mir Untertan – aber du hast natürlich die großartige Wahl, mir nicht Untertan zu sein, was mit dem Hungertod belohnt wird; so frei bist du schon.“

      Im Kapitalismus gibt es natürlich nicht nur GrundeigentümerInnen, sondern das ganze spielt sich auf nem höheren Level ab – mit Fabriken, die in Privateigentum sind etc. Das Prinzip ist aber das gleiche, auch hier geht es um Erpressung. Das ist der Grund weshalb KommunistInnen Grund, Boden und die Produktionsmittel (Fabriken etc) vergesellschaften wollen: das Privateigentum soll abgeschafft werden, damit niemand mehr derart bestialisch erpresst werden kann.

      https://gdhv.wordpress.com/2010/07/15/argument-1/

      Weiter bei deinem Beitrag:

      Die aktuellen Definitionen helfen der Politik die Angst der Menschen weiter zu schüren und den überdimensionierten Staatsapparat zu rechtfertigen.

      Nein, niemand HIER will diesen Staat, der diese Armut erst herstellt durch die Verankerung und den Schutz des Eigentums ausbauen. Im Gegenteil. Das hier ist ein staatskritischer Blog.

      Also zur Wiederholung: jeder Lohnabhängige ist ARM, es gilt ihm/ihr immer nur Phasenweise und äußerst beschränkt diese Armut zu überwinden – Siehe dazu Fußnote 1 bei dem oben verlinkten Beitrag:

      die Armut derjenigen, die nichts haben außer ihrer Arbeitkraft und von allem Nützlichen qua Eigentum ausgeschlossen sind

      Ob das gelingt, liegt allerdings nicht in der Hand des Betreffenden – die „man muss sich nur Bemühen“-Ideologie ist eben: Ideologie.

      Die Lohnabhängigen sind dabei in einer miesen Position, denn sie entscheiden nicht, ob sie eine Arbeitsstelle kriegen, sondern das tun die Eigentümer der Produktionsmittel (Fabriken …). Will man einen Job, muss man sich als brauchbar für Unternehmen erweisen insofern, als dass man diesen ihr Eigentum mehrt. Je niedriger der Lohn, umso mehr Gewinn schaut für das Unternehmen raus, d.h.: Unternehmen wollen so wenig als möglich zahlen für Arbeitskräfte, sind also an möglichst niedrigen Löhnen interessiert (im Gegensatz zu Lohnabhängigen, die möglichst hohe Löhne wollen, da man mit mehr Geld auf mehr Produkte Zugriff hat). Lohnkosten sind ganz prinzipiell ein Abzug vom Gewinn, und darauf stehen Unternehmen gar nicht.

      Wie hier schon deutlich wird, ist das alles andere als gemütlich für Lohnabhängige: zum einen sind sie gezwungen ihre Arbeitskraft loszuwerden, da sie nur so überhaupt an etwas Geld kommen können – (ver)hungern will ja wohl niemand als realistische Alternative anpreisen? Zum anderen haben sie es überhaupt nicht in der Hand, ob sie ihre Arbeitskraft loswerden und zu welchen Konditionen. Sie haben sich den Kalkulationen der Unternehmen zu unterwerfen, was nichts anderes bedeutet, als das eigene Interesse – ein möglichst hoher Lohn, um so Zugriff auf möglichst viel Nützliches zu haben (vom Dach über dem Kopf übers Essen bis zum Urlaub: all das kostet) – ständig zu beschränken.

  1. Noch eine Bemerkung zu „menschenwürdig“: Wer definiert denn, was menschenwürdig ist? Das ist ein moralischer Titel, der mal so, mal so verwendet wird. Er dient v.a. dazu, ein Maß an Armut als NORMAL, eben menschenwürdig darzustellen. 100€ / Monat – nicht menschenwürdig? 250€ / Monat schon? Oder erst 300 €? Oder 100€ auch, aber 20€ nicht?
    So will der Autor des verlinkten Blogeintrags – wenn er unterscheidet in menschenwürdige Armut und menschenunwürdige Armut – bestimmen, was geht und was nicht. Woher nimmt er das Recht, darüber zu bestimmen? Hat er sich bei den betreffenden Personen erkundigt, wie sehr sie sich einschränken müssen, um es durchs Leben zu schaffen? Hat er sich mit den Ursachen, die diese Beschränkungen notwendig machen, auseinandergesetzt?

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