Erpressung noch und nöcher

Wenn sich die FDP mit ihrem durch und durch bösartigen, nachgerade realsozialistischen Vorschlag durchsetze, dann drohe – wir tun jetzt mal überrascht, so als wäre die ewig gleiche Leier nicht bekannt – eine „Abwanderungswelle von Unternehmen“. Die FDP plant nämlich wirklich Übles: Um die Debatte um den Mindestlohn endlich abzuwürgen, ließ sie verlauten, dass sie ein Gesetz andenke, bei dem es darum ginge, dass „Zeitarbeiter bei längeren Einsätzen im gleichen Betrieb genauso bezahlt werden sollen wie Stammarbeitnehmer („Equal Pay“). (Handelsblatt, 13.7.10)“

Keine Frage: das ist ein starkes Stück für die Kapitalfraktion, deren Interesse an niedrigen Löhnen bekanntlich keine Grenze kennt. Nicht nur billig und billiger sollen die LohnarbeiterInnen sein, sondern vor allem auch: hyperflexibel – also jederzeit bestell- und entsorgbar. 3 Stunden am Montag, keine am Dienstag, 12 am Mittwoch, keine Arbeit für 1 Woche, aber immer brav aufs Kommando warten. Stundenlöhner halt.

Davon, dass sich die Kapitalfraktion in der Regel durchsetzt mit ihren Forderungen nach totaler Unterwerfung unter die, nämlich ihre Profitlogik, zeugt der Tarifvertrag zwischen dem Bundesverbandes Zeitarbeit (BZA) und dem DGB. Der DGB – zu dem man nicht viel mehr sagen braucht als: „60 Jahre DGB tun dem Kapital nicht weh!“ – hat also wieder mal mitgemacht. Also eigentlich wäre alles bestens. Wäre da eben nicht die FDP, die bei ihrem verzweifelten Versuch, den Mindestlohn aus der Diskussion zu verabschieden, ins Fettnäpfchen tappt und sich bei der eigenen Klientel unbeliebt macht. Dementsprechend wird gebrüllt:

„Eine Verteuerung der Arbeitsleistung durch Vorschläge wie den der FDP führen dazu, dass Mittelständler und Großkonzerne ihre Fertigungsstätten in Billiglohnländer verlagern und die Arbeitslosigkeit in Deutschland wieder deutlich wächst.“

Was der liebe BZA-Bäumer mitteilen will, ist: Entweder ihr unterwerft uns weiterhin (!) unseren Bedingungen – hyperflexibler Billiglohn in Deutschland – oder wir suchen uns woanders hyperflexible Billiglöhner; wichtig ist auf jeden Fall: flexibel und billig – und noch mal flexibel. Man nennt das Erpressung. Und was dabei rauskommt, ist klar wie nix – nichts gutes für die Lohnabhängigen. So und so, und hier wie da.

Foto von marissaorton (Flickr)

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Ein Gedanke zu “Erpressung noch und nöcher

  1. Die ominöse Abwanderungswelle (gähn) gerade der mittelständischen Unternehmen ist doch sowieso nur eine leere Drohung. Welches Familienunternehmen verlässt denn einfach so seine angestammten Strukturen, muss man doch im Ausland alles neu aufbauen. Da müssten die Eigentümer schon mit umziehen, wo gehen sie dann ins Theater oder ihre Kinder zur Schule, in China etwa?
    Selbst wenn solche Unternehmer, die sich immer beschweren wirklich ins Ausland gehen, sollen sie doch! Ist es sinnvoller sich immer weiter erpressen zu lassen, bis der Staat die gesamten Arbeitskosten übernimmt? Was kommt die Volkswirtschaft auf Dauer teurer?

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