How low can you go? Nie genug!

In Europa macht man sich Sorgen um den Nachschub billigster Arbeitskräfte. Leider wollen EuropäerInnen nicht für einen Hungerlohn auf den Feldern für  LandwirtInnen schuften, Häuser hochziehen oder im Akkord Betten in Hotels machen. Zwar hat sich inbesondere in Deutschland die ARGE ins Zeug gelegt, dass  Hartz-IV-EmpfängerInnen sich hier „leistungsbereit“ zeigen, gefruchtet haben diese Bemühungen – Drohungen mit Sperren und tatsächliche Sperren etc. – nicht wirklich. Auf jeden Fall nicht in dem Maße, dass sich Hoteliers, Bauunternehmer und Landwirte zufrieden zeigen – das Interesse des Kapitals an billigster Arbeitskraft kennt bekanntlich keine Grenzen (siehe das Beispiel Mindestlohn).

Nun will die EU das Thema angehen, auf der Tagesordnung steht die Debatte um der ‚Import‘ von Billiglohnsklaven aus Afrika und Co:

Bauern, Hoteliers, Gastwirte und Bauunternehmen sollen in Zukunft schneller und leichter Saisonarbeiter aus dem EU-Ausland beschäftigen können […]. Europas Wirtschaft habe ein steigendes Bedürfnis nach Saisonarbeit. Der Bedarf an schlecht qualifizierten Hilfsarbeitern könne innerhalb der EU aber nur schwer gedeckt werden, weil für Europäer Saisonarbeit häufig unattraktiv sei, lauten die Argumente von Sozial- und Beschäftigungskommissar Laszlo Andor. (derstandard.at, 12.07.10)

Unattraktiv – ja, das sind die Hungerlöhne, die nur eines garantierten: dass man zu den working poor gehört. Noch dazu, wenn es sich um Saisonarbeit handelt, die schon seit langem etablierte Form der Zeitarbeit. Ein paar Monate lang darf man für nen Hungerlohn den Reichtum des Unternehmens mehren, dann wird man wieder für ein paar Monate abgeschoben – was sich wieder bei der Sozialversicherung negativ bemerkbar macht.

Keine Frage: für AfrikanerInnen, die vor dem Hungertod in den kapitalistischen Todeszonen zu fliehen hoffen, sind solch niedrige Löhne „attraktiv“ – sie verhungern dann wenigstens nicht mehr. Daher zeigen sie auch „Leistungsbereitschaft“. Da fällt einem nebenbei glatt ein Vertreter des BGE ein:

„Natürlich wirkt es immer leistungshemmend, wenn wir garantieren, daß niemand verhungert.“ (Straubhaar)

Genau dessen sind sich auch die EU-PolitikerInnen nur zu bewusst: sie schätzen die durch den Kapitalismus erst hergestellte Armut sehr, die bringt erst so richtig Schwung in den Laden (bis zur Krise)!

Damit garantiert ist, dass die importierten Lohnsklaven dem Standort, nachdem sie sich für die Vermehrung des Geldes der KapitalistInnen eingesetzt haben, nicht zu Last fallen, wird schon vorab klargestellt, dass nach verrichteter Dienste abgeschoben wird:

Die Arbeitsbewilligung darf nur für höchstens sechs Monate pro Jahr gelten. (Ebd.)

Damit sollte dem kapitalistischen Standort gedient sein.

Was nicht heißt, dass es nicht KritikerInnen gibt. Nämlich solche, die meinen, man müsste die einheimischen Arbeitslosen doch noch motivieren – man hätte sich da bislang nur noch nicht ordentlich genug darum gekümmert. Wie die Motivation ausschauen soll, wird offen ausgesprochen: die Arbeitslosen muss man nur so lange systematisch verarmen, bis sie um solche Drecksjobs mit Dreckslöhnen betteln. Der Vorschlag lautet also: Lasst uns in Europa ein kleines Afrika errichten – mit kapitalistischen Todeszonen inklusive!

Damit Europa konkurrenzfähig bleibt. Ihr wisst ja: „Geht’s der Wirtschaft gut, geht’s allen gut“. Also: lasst es uns der Wirtschaft gut gehen, indem wir es der Bevölkerung durch Lohnsenkungen immer schlechter gehen lassen.

Foto von Filipe Moreira

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2 Gedanken zu “How low can you go? Nie genug!

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