Protest bei Daimler: »Kostenoptimierung« von 50 Millionen Euro pro Jahr auf dem Rücken der Beschäftigten

Der Konzern feiert wieder einmal Erfolge, wie man sie eben als erfolgreiches kapitalistisches Unternehmen so feiert: vor der Krise wurden Löhne gedrückt, wurde rationalisiert (man nennt das manches Mal „umstrukturieren“); während der Krise wurden die Löhne noch mehr gedrückt; und nun – jetzt, wo es wieder „bergauf“ geht mit der Auftragslage -: wird wieder Lohnkostensenkung betrieben. Es geht also alles seinen normalen kapitalistischen Gang.

Obwohl Daimler wieder mehr Fahrzeuge verkauft, setzt der Stuttgarter Autobauer seine Kostensenkungsstrategie gnadenlos fort. Opfer sind neben den Produktionsarbeitern auch die bundesweit rund 2300 Beschäftigten der Tochterunternehmen Daimler Financial Service (DFS) und Mercedes-Benz-Bank AG. Deren Arbeitsplätze sind durch eine geplante Umstrukturierung ebenso bedroht wie ihre Tarifbindung. (jW, 12.07.10)

Das einzig ungewöhnliche an der Sache ist, dass  zum ersten Mal in der Geschichte von Daimler die DFS-MitarbeiterInnen protestieren – das hat man vorher noch nie gesehen. Aber sie haben allen Grund dazu:

In der Folge sollen nicht nur 250 Vollzeitstellen verlorengehen. Rund 1500 der insgesamt 2300 Beschäftigten wären nach Angaben des Konzernbetriebsrats zum Umzug gezwungen. »Von den Betroffenen arbeiten viele in Teilzeit, sind Alleinerziehende oder Hinzuverdiener – die können nicht so einfach den Wohnort wechseln«, gibt eine Betriebsratssprecherin gegenüber junge Welt zu bedenken.

Und genau darauf spekuliert das Unternehmen auch: wenn die meisten nicht mitziehen – und welche/r Teilzeitbeschäftigte kann sich einen Umzug schon leisten? -, dann kann man billigere Leute anstellen. Auch bei der Auslagerung der Telefonzentrale geht es genau darum: diese wird nach Brankenburg verlegt, womit der Tarifvertrag umgangen wäre – willkommen Tarifdumping!

Über diese „neuen“ (*hust*)  „tollen“ (*husthust*) Arbeitsplätze freut sich absurderweise auch die LINKE BERLIN:

»Ich begrüße die Entscheidung des Daimler-Konzerns, Kompetenzen perspektivisch in einem neuen europäischen Shared-Service-Center zu bündeln und dadurch 300 Arbeitsplätze aufzubauen.«

Womit sich wieder mal bestätigt hätte: wer sich aufmacht, diesen Staat mit seinem Standort zu betreuen – sich also einzulassen auf das tägliche Geschäft des bürgerlichen Staats mit seinem Betriebsprogramm – , kann sich noch so oft links anpinseln – heraus kommt doch nur die nächste Ferkelei. Vielen Dank, Berliner LINKE, fürs den Protestierenden in den Rücken fallen!

Foto von m for matthijs

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