Lohnabhängigkeit & Lohnkostensenkung

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Alles ist im Kapitalismus Privateigentum und daher nur zu haben, wenn man dem Eigentümer Geld rüberschiebt. Da die meisten Herrschaftsunterworfenen aber über kein nennenswertes Eigentum verfügen, müssen sie das einzige, was sie haben, verkaufen, um an etwas Geld zu kommen: ihre Arbeitskraft.

Die Lohnabhängigen sind dabei in einer miesen Position, denn sie entscheiden nicht, ob sie eine Arbeitsstelle kriegen, sondern das tun die Eigentümer der Produktionsmittel (Fabriken …). Will man einen Job, muss man sich als brauchbar für Unternehmen erweisen insofern, als dass man diesen ihr Eigentum mehrt. Je niedriger der Lohn, umso mehr Gewinn schaut für das Unternehmen raus, d.h.: Unternehmen wollen so wenig als möglich zahlen für Arbeitskräfte, sind also an möglichst niedrigen Löhnen interessiert (im Gegensatz zu Lohnabhängigen, die möglichst hohe Löhne wollen, da man mit mehr Geld auf mehr Produkte Zugriff hat). Lohnkosten sind ganz prinzipiell ein Abzug vom Gewinn, und darauf stehen Unternehmen gar nicht.

Wie hier schon deutlich wird, ist das alles andere als gemütlich für Lohnabhängige: zum einen sind sie gezwungen ihre Arbeitskraft loszuwerden, da sie nur so überhaupt an etwas Geld kommen können – (ver)hungern will ja wohl niemand als realistische Alternative anpreisen? Zum anderen haben sie es überhaupt nicht in der Hand, ob sie ihre Arbeitskraft loswerden und zu welchen Konditionen. Sie haben sich den Kalkulationen der Unternehmen zu unterwerfen, was nichts anderes bedeutet, als das eigene Interesse – ein möglichst hoher Lohn, um so Zugriff auf möglichst viel Nützliches zu haben (vom Dach über dem Kopf übers Essen bis zum Urlaub: all das kostet) – ständig zu beschränken.

Wie bereits benannt, sind Unternehmen an niedrigen Lohnkosten interessiert. Zur Senkung von Lohnkosten existieren 3 Varianten:

a.) Es werden direkt die Lohnkosten gesenkt. Regelmäßig, auf jeden Fall immer, wenn es erneut an Kollektivvertragsverhandlungen geht, präsentieren Unternehmen den Lohnabhängigen ihre Vorstellung eines „fairen Lohns“: er ist sehr oft niedriger als der zuletzt bezahlte, zumindest aber finden sich weit und breit keine Lohnerhöhungen. Das Ganze wird mit derselben Regelmäßigkeit in den Medien besprochen und die Argumente sind eigentlich allseits bekannt: „die Branche, der Standort … ist nur dann konkurrenzfähig, wenn Lohnkosten gesenkt werden“. Durch Lohnsenkung kann man als Unternehmen konkurrenzfähig bleiben, also auch Arbeitsplätze (zumindest teilweise) halten oder sogar neue schaffen. Da ein schlecht bezahlter Arbeitsplatz im Kapitalismus, in dem man nur über Geld Zugriff hat auf Güter, sich immer noch besser darstellt als gar keiner, sind die Lohnabhängigen erpressbar; dementsprechend stellt sich das Ergebnis in aller Regel auch dar.

Beispiel Opel: IG Metall verkündet ganz stolz, dass zumindest ein Teil der Arbeitsplätze erhalten bleibt. Die Lohnabhängigen mussten dafür allerdings jährliche Lohneinbußen von über 100 Millionen Euro in Kauf nehmen.

Bei dieser Variante der Senkung der Lohnkosten bleiben Arbeitsplätze zumindest in Teilen erhalten, die Konditionen verschlechtern sich allerdings für die Lohnabhängigen und zwar für alle Lohnabhängigen. Hier landet man schnell bei den Working poor, bei denen sich besonders deutlich zeigt, in welcher erbärmlich abhängigen Position sich Lohnabhängige befinden.

Als extreme Variante dieser Art, die Lohnkosten zu senken, kennt man die direkte Drohung des Unternehmens mit Schließung des Werkes, Verlagerung ….

b.) Wenig verwunderlich gibt es dann auch etliche Unternehmen, die tatsächlich ins Ausland verlagern, da dort die Lohnkosten oftmals wesentlich geringer sind. In diesem Fall gehen in Deutschland Arbeitsplätze verloren. Die nunmehr Arbeitslosen üben Lohndruck auf die sich noch in Lohnarbeit befindlichen aus. Arbeitslose erfüllen eine Funktion: die Armut, die sich mit Arbeitslosigkeit verschärft1, ist durchaus produktiv für den Standort. Konfrontiert mit dem sich ausbreitenden Armutselend, sich fürchtend, dass ein Arbeitsloser sie vielleicht ersetzt, mucken die wenigsten Lohnabhängigen bei Lohnkürzungen oder Arbeitszeitverlängerung ohne Lohnausgleich auf.

c.) Unternehmen setzen auf Automatisierung: Das tun sie immer wieder, da Maschinen die Potenz der Arbeit steigern. Man kann also mit gleich vielen oder wenigeren Arbeitskräften mehr produzieren. Man könnte aber auch mehr Arbeiter/innen anstellen statt Maschinen zu kaufen – und so mehr produzieren.

Ausschlaggebend dafür, ob man als Unternehmen automatisiert oder nicht, ist also, was billiger ist – die Arbeiter/innenschar oder die Maschine? Und nicht, wie oft propagiert, dass man den Arbeiter/innen die Arbeit erleichtert. Dass diese Behauptung reine Ideologie ist, zeigt sich ja immer dann, wenn das Ergebnis kapitalistischer Abwägung nicht die Automatisierung ist. So produzieren in „Entwicklungs- und Schwellenländern“ ganze Scharen von Arbeiter/innen kapitalistischen Reichtum ohne Einsatz augefeilter Maschinen. Man kann z.B. feststellen, dass in der Autobranche derzeit verstärkt auf billige Handarbeit gesetzt wird und nicht mehr so stark auf Maschinen. Ganz offensichtlich kann man mit einer ordentlich verarmten Arbeiter/innenschar durchaus gegen automatisierte Autostraßen konkurrieren.

In der BRD wurde aber seit ca. 1960 erfolgreich auf Automatisierung gesetzt: das hat auch damit zu tun, dass ab ca. 1955 „Vollbeschäftigung“ herrschte. In dieser Situation war es für die Unternehmen auf jeden Fall günstiger, auf Maschinen zu setzen als auf Lohnarbeiter/innen, da aufgrund von Arbeitskräftemangel die Löhne stiegen. Ab Mitte der 1970er Jahre wurden durch Automatisierung immer mehr Lohnabhängige „freigesetzt“, wie es so schön heißt – in den 1980ern fanden sich in der BRD bereits 2,3 Millionen Arbeitslose, darunter etliche so genannte Langzeitsarbeitslose2. Dass die Arbeitslosigkeit seitdem beträchtlich gestiegen ist und sich der Staat dazu entschlossen hat, eine eigene sozialstaatliche Abteilung – Hartz IV – zur weiteren systematischen Verarmung Langzeitarbeitsloser einzurichten, ist bekannt.

Mitten in einer Gesellschaft, die sich ihres (immer noch wachsenden) Wohlstands rühmt, wurden und werden also Lohnabhängige stetig verarmt, wenn nicht gleich gänzlich für „unbrauchbar“ erklärt. Und das nicht, weil die Wirtschaftsweise nicht funktionieren würde, sondern vielmehr gerade weil sie funktioniert: Gewinn wird allerorten erwirtschaftet.

____

1 Korrekterweise: die Armut derjenigen, die nichts haben außer ihrer Arbeitkraft und von allem Nützlichen qua Eigentum ausgeschlossen sind, und die nur während der Beschäftigung und immer nur eher weniger als mehr vermindert werden konnte, zeigt sich wieder in aller Offenheit.

2 Insofern ist es auch eine recht unverschämte Lüge, wenn Politiker/innen und Presse immer wieder so tun, als wäre Arbeitslosigkeit etwas, was sich in Deutschland erst nach dem Anschluss der DDR an die BRD gezeigt hätte. In der BRD gab es zuvor schon eine relativ hohe Massenarbeitslosigkeit (und zwar seit spätestens 1974/75).

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4 Gedanken zu “Lohnabhängigkeit & Lohnkostensenkung

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