Das Klagen über die Sparquote

Das Klagen über die „zu hohe Sparquote“ lehrt uns etwas über die Marktwirtschaft, nämlich, dass die Lohnabhängigen nicht nur all die schönen Dinge, die die Unternehmen dann verkaufen (wollen), zu einem möglichst niedrigen Lohn produzieren sollen, sondern auch ebendiese von ihnen selbst produzierten Produkte kaufen sollten. Weil sonst klappt das mit dem Gewinnemachen für die Unternehmen ja nicht.

In den Worten des IV-Ökonoms:

Derzeit liege Österreich bei einer „extrem hohen Sparquote“ von 13 Prozent, während die Sparquote normalerweise zwischen sechs und neun Prozent liege, sagte IV-Chefökonom Christian Helmenstein. „Diese Quote auf ein normales Niveau zu bringen brächte fünf Prozentpunkte des BIP.“ (SN, 8.7.10)

Also Leute: kauft, damit die Unternehmen Gewinne machen!

Allerdings stellt sich schon die Frage, womit diese Produkte gekauft werden sollen. Es ist ja nicht so, dass die Menschen aus Spaß sparen, sondern aus Angst – und, das möchte hinzufügen, manches Mal sparen sie gar nicht, sondern haben halt einfach nichts, womit man was kaufen könnte. Das mit der Angst weiß die IV auch:

Helmenstein führte die große Sparneigung auf die Angst vor möglichen Steuererhöhungen bzw. auf ein Misstrauen gegenüber den künftigen Pensionsversprechungen zurück. (Ebd.)

Allerdings, und das ist der Witz, haben die meisten Menschen nicht nur vor Steuererhöhungen Angst, sondern vor allem vor Lohnsenkungen und Kündigungen. Sie wissen nämlich ganz genau, wer bei Krisen draufzahlt: die Lohnabhängigen. – Es ist ja eine Selbstverständlichkeit sondergleichen, dass Unternehmen kündigen, wenn ihr Gewinn absackt. Das nennt man absurderweise „Verantwortung tragen für Arbeitsplätze“, und diese bekamen die Lohnabhängigen in den letzten 2 Jahren zur Genüge zu spüren. Und weil sie weiterhin damit rechnen, legen sie das Wenige, was sie haben, zur Seite, beschränken ihre Bedürfnisse mehr als sonst schon. Und sie wissen auch, wer bei der Krisenbewältigung draufzahlt: wieder die Lohnabhängigen. Dass in Zeiten des Aufschwungs jede Forderung nach Lohnerhöhung zu viel wäre, hört man an allen Ecken und Enden – die könnten ja den Aufschwung gefährden, sagt man.

Es ist also wieder mal Bescheidenheit angesagt für die Lohnabhängigen. Und das ist ja nichts, was der IV nicht passen würde. Einerseits. Andererseits zeigt sich hier ziemlich deutlich, dass das Kapital sich schlussendlich kontinuierlich selbst untergräbt.  Die Löhne mögen noch so niedrig sein zur Freude des Kapitals – es gibt keinen Gewinn ohne KäuferInnen. Wird eine Ware nicht getauscht (gekauft), ist sie nichts wert. Dann war eben alles umsonst.

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5 Gedanken zu “Das Klagen über die Sparquote

  1. Interessant wäre im Hinblick auf die ach so hohe Sparquote auch eine gestaffelte Aufstellung nach Einkommen, dann könnte man sehen bei welchen Einkommen zuviel auf die hohe Kante gelegt wird. Bei uns in Deutschland wird auch über die hohe Sparquote gemeckert, untersucht man das aber genauer stellt man fest, dass bei den Nettoeinkommen von 1300 bis 1500 Euro nur eine Sparquote von maximal 0,5% rauskommt (Daten sind von 2003, sollten sich aber seitdem wohl kaum ins Positive verändert haben). Darunter liegt sie eher im negativen Bereich. Bei Haushalten mit Nettoeinkommen zwischen 5000 und 18.000 Euro lag die Sparquote demhingegen bei durchschnittlich 21,8%.

    Quelle: http://dip21.bundestag.de/dip21/btd/16/111/1611158.pdf

    • untersucht man das aber genauer stellt man fest, dass bei den Nettoeinkommen von 1300 bis 1500 Euro nur eine Sparquote von maximal 0,5% rauskommt

      Ja, denn wie soll man bei dem Geld auch sparen können? Da geht bereits so gut wie alles drauf für Miete (bzw. Abzahlung eines Kredits), Essen und was man sonst so braucht.
      Und bezüglich 2003 muss man noch hinzufügen, dass ja inbesondere in Deutschland die Einkommen kontinuierlich sinken:

      Arm und Reich driften in Deutschland immer weiter auseinander. Das ist das zentrale Ergebnis einer neuen Studie des DIW Berlin zur Einkommensverteilung in Deutschland auf Basis von Daten des Sozio-Oekonomischen Panels (SOEP).

      DIW 2010

      Warum das so ist – „Standortwettbewerb“ – und wer davon profitiert – Unternehmen -, ist bekannt. Und es ist ja nicht so, dass nicht weiterhin geplärrt würde, dass es „Lohnzurückhaltung“ benötige. Gleichzeitig sollen alle kaufen, kaufen, kaufen. Wobei Deutschland zumindest zur Zeit noch diesen „Widerspruch“ teilweise exportieren kann – aber sollten neben Griechenland, wo die Wirtschafts schrumpft, auch Italien und Spanien und noch ein paar andere Länder ernsthafte Probleme kriegen, dann kriegt Deutschland auch ein ernsthaftes Problem, und das betrifft dann nicht „nur“ die Untersten.

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