Typisch VWL

Nicht dass Wikipedia ein Fachportal für VWL wäre, aber das Folgende ist typisch für die Mainstream-VWL und hat es daher verdienst, zitiert zu werden:

Grundsätzlich sind geringere Bedürfnisse die Ursache von Konsumzurückhaltung. Ob diese geringeren Bedürfnisse aus Selbstbeherrschung oder mangelndem Geld resultieren ist eine andere Sache. (Wikipedia)

Blöder geht es kaum, widerspricht doch der erste Satz dem zweiten. Im ersten Satz wird unterstellt, die Ursache von Konsumzurückhaltung sei, dass die Bedürfnisse plötzlich geringer seien, die vorhandenen seien quasi schon zur Gänze gestillt. Na, das kommt schon auch vor – aber darum geht es bei der Deflation, und aus dem Artikel dazu stammt das Zitat, wohl weniger. Und auch unabhängig von ner Deflation ist es wohl bei der Mehrheit der Menschen so, dass sie zwar viele Bedürfnisse hätten, aber diese eben nicht stillen können, weil kein oder zu wenig Geld: es mangelt ihnen dann an Zahlungsfähigkeit. In der VWL, die sich zu 99% im Aufbereiten von Ideologie befasst, die das herrschende Wirtschaftssystem legitimieren soll, wird aber nur das zahlungsfähige Bedürfnis überhaupt als legitimes Bedürfnis wahrgenommen – so kommt dann auch der erste Satz zustande. Damit schafft es die Mainstream-VWL glatt, das Faktum durchzustreichen, dass alle möglichen Bedürfnisse im herrschenden System unbefriedigt bleiben. Salopp formuliert, meint die VWL: Was kein Geld einbringt, ist nicht vorhanden. Und so hungern vor dem vollen Supermarkt Menschen – aber laut VWL haben sie gar kein Bedürfnis nach Essen. Das ist Ideologie in Reinkultur!

Aber wenn man so vor sich daherideologisiert, sagt man zwischendurch auch manches Mal die Wahrheit, liefert sich unfreiwillige Geständnisse – und damit wären wir beim zweiten Satz: die geringeren Bedürfnisse können aus mangelndem Geld resultieren (was im Übrigen wohl oft in Eins fällt mit der Selbstherrschung). Was nichts anderes heißen soll als: eigentlich sind sie gar nicht geringer, aber kein Geld vorhanden. Aber wieso wird dann behauptet, sie seien geringer? – Ideologie eben.

Weil: es soll ja schon immer behauptet werden, in der Marktwirtschaft würden Bedürfnisse bestens befriedigt. Das ist zwar ne dreiste Lüge (man muss sich nur mal umsehen und sich auch mal selber fragen, ob man nicht regelmäßig in der unschönen Situation ist, dieses und jenes Bedürfnis aus Geldmangel zurückschrauben zu müssen); aber das macht ja nix: die VWL behauptet ja einfach, dass die Bedürfnisse, die aufgrund von Geldmangel nicht befriedigt werden, nicht vorhanden sind.

Das ist „Wissenschaft“.

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Ein Gedanke zu “Typisch VWL

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